Alleinerziehenden den Weg in die Arbeit ebnen

Im Auftrag des Jobcenter München unterstützt die DAA München alleinerziehende Mütter und Väter bei der Rückkehr ins Arbeitsleben: "Coaching für Alleinerziehende" und das Nachfolgeprojekt "OktoFamily" feiern 10-jähriges Jubiläum

Das Team von „OktoFamily“ bei der DAA München, Foto: DAA

Alleinerziehende – bundesweit sind es aktuell etwa 2,7 Millionen, davon zu 90% Mütter – spielen eine bedeutsame Rolle in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Mütter und Väter, die in einer Ein-Elternfamilie das Wohl der Kinder und den Lebensunterhalt allein schultern müssen, stehen dem Arbeitsmarkt nur begrenzt zur Verfügung und geraten finanziell oftmals in prekäre Lebenssituationen.

Pilotprojekt (2008 - 2009)

Im Jahr 2008, als das öffentliche Interesse am Thema Alleinerziehende größer wurde, entstand in München die Idee, Coachings für Alleinerziehende im SGB II-Leistungsbezug anzubieten. "Zusammen mit der damals zuständigen Teamleiterin Barbara Resch vom Jobcenter München haben wir ein Pilotprojekt gestartet," sagt Marianne Schreiner, stellvertretende Institutsleiterin der DAA München. "Wir wollten herausfinden, mit welchen Instrumenten und Methoden man am erfolgreichsten mit dieser Zielgruppe arbeitet."

"Schnell konnten wir eruieren, wo bei den teilnehmenden Alleinerziehenden der Schuh drückt", argumentiert Michael Gossner, Projektleiter von CofA und OktoFamily. Neben den Faktoren: Berufserfahrung, Ausbildung, konkretem Betreuungsaufwand für die Kinder, ungeeignete Arbeitszeiten, Skepsis der Arbeitgeber und die spezifisch erlebten Belastungen in der Alltagsbewältigung, wirken sich insbesondere unzureichende Kinderbetreuungsangebote in München auf die Erwerbschancen aus. Man muss wissen, dass München im Vergleich deutscher Großstädte in der Versorgung mit Kindertagesbetreuungsplätzen/Ganztagesbetreuungsplätzen für 6- bis 10-Jährige nach wie vor hinterherhinkt.

CofA - Coaching für Alleinerziehende (2009 - 2013)

Aus den Erkenntnissen des Pilotprojekts abgeleitet hat das Jobcenter München ab 2009 mit der DAA München richtungsweisend das Projekt "Coaching für Alleinerziehende" (CofA) ins Leben gerufen und die DAA München mit der Durchführung beauftragt.

Klar war, dass nachhaltige Integrationsstrategien für die teilnehmenden Alleinerziehenden nur dann erfolgreich sein können, wenn sie ganzheitlich an der jeweiligen Lebenslage der Alleinerziehenden ansetzen. In der Umsetzung bewährte sich ein multimethodischer Ansatz bestehend aus Einzelcoaching, Qualifizierungsmodulen und Workshops, die insbesondere Themen zur Alltagsbewältigung und -organisation beinhalteten. Die umfassende Unterstützung der teilnehmenden Alleinerziehenden durch die Coaches mit den bestehenden Netzwerkkenntnissen bei der Sicherung der Kinderbetreuung spielt für die Arbeitsmarktintegration nach wie vor eine große Rolle. Damit die Teilnehmer die Einzelcoaching- und Workshoptermine wahrnehmen konnten, stellte die DAA München mit der Einrichtung von DAA-KIDS bedarfsgerecht Betreuungsmöglichkeiten für deren Kinder zur Verfügung.

OktoFamily (seit 2013)

2013 wurde ein neues Kapitel in der Förderung von Alleinerziehenden beim Jobcenter München aufgeschlagen. Gemäß einer strikt zielgruppenorientierten Integrationsstrategie entstand der Projektverbund "Oktopus". Die DAA München wurde abermals mit dem Auftrag der nachhaltigen Arbeitsmarktintegration von Alleinerziehenden und neuerdings von Eltern, deren Kinderbetreuung nicht gesichert ist, im sogenannten Zielgruppenprojekt "OktoFamily" betraut.

Um die Integrationschancen zu erhöhen, können die Alleinerziehenden Intensivcoachings, Praktika, Kurzqualifizierungen und Expertenberatungen über die Oktopus-Verbundpartner nutzen. Nach erfolgter sozialversicherungspflichtiger Arbeits- oder Ausbildungsaufnahme bietet die DAA eine inzwischen 7-monatige Nachbetreuung an, mit dem Ziel, das Beschäftigungsverhältnis zu stabilisieren.

Die 10-jährige Bilanz kann sich sehen lassen

Seit Beginn haben inzwischen über 2000 Alleinerziehende (94% Mütter) in der Grundsicherung an "CofA" und dem Nachfolgeprojekt "OktoFamily" teilgenommen. Die integrationsbezogenen Sollvorgaben wurden stets übertroffen. "Worauf wir jedoch besonders stolz sind, ist die Nachhaltigkeitsquote. Arbeit zu finden und aufzunehmen ist das eine, die Arbeit als Alleinerziehende/r längerfristig zu behalten, ist das andere. 84% der Alleinerziehenden, die eine Arbeit aufnehmen, sind auch nach 6 Monaten – und somit nach Ende der üblichen Probezeit – noch in Arbeit. Das ist insbesondere der engagierten Nachbetreuungsarbeit der langjährig mit der Zielgruppe befassten Coaches zu verdanken. Wir können zu 95% gewährleisten, dass der zuständige Coach von Beginn an bis zum Nachbetreuungsende den/die alleinerziehende/n Teilnehmer/in professionell unterstützt. Kontinuität und prozessorientiert-vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Alleinerziehenden zahlt sich aus," so Gossner.

Perscha Marinkovic, Foto: DAA

"Es sind viele Freudentränen geflossen, viele, viele"

Alleinerziehende Frauen über ihre Teilnahme an "OktoFamily"

Perscha Marinkovic, Mutter eines Sohnes (2 ½), Beruf: Zahnarzthelferin

"Ich war 3 Jahre zu Hause und hatte ein bisschen Sorge wegen der Bewerbungen; ich hatte ewig lang keine mehr geschrieben. Bei OktoFamily wurde mir sehr viel Verständnis entgegengebracht, dass ich alleinerziehend bin und versuche, ins Arbeitsleben zurückzukehren.

Zum Beispiel, überhaupt morgens erst einmal aus dem Haus zu kommen. Pünktlich! Das war schon einmal eine Vorbereitung auf meine Arbeit: Kind in die Krippe bringen und dann um 9.30 Uhr hier sein. Die ersten paar Male bin ich total entmutigt und erschöpft hergekommen. Dann habe ich andere Teilnehmerinnen kennengelernt und bald angefangen, mich auf OktoFamily zu freuen.

Das Bewerbungstraining hat mir sehr geholfen. Zum Beispiel im Vorstellungsgespräch nicht so nervös zu sein, nicht ins Wort zu fallen, dem Arbeitgeber zuzuhören und konkret auf seine Fragen zu antworten. Man kann sein Selbstbewusstsein wieder entwickeln. Wir hatten Gruppen-Coachings. Da kriegt man gutes Feedback zurück, von den anderen Teilnehmerinnen oder von einem Coach. Dann geht man nach Hause, lässt das erst mal sacken und sagt sich: ´Wow! Ich bin doch toll, ich bin doch sympathisch, ich bin doch intelligent, ich kann was.´ Wir haben auch die hausinterne ´Job-Messe in der DAA´ besucht. Das hat mich sehr motiviert.

Ich habe sehr schnell mit der Unterstützung von OktoFamily eine Arbeitsstelle gefunden. Ab Januar 2018 arbeite ich bei einem Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgen. Natürlich ist eine Riesenlast von mir gefallen. Psychisch geht´s mir besser. Ich kann besser schlafen, besser essen und freue mich auf meine Zukunft. Ich bin froh, dass ich jetzt etwas aufbauen kann. Es sind viele Freudentränen geflossen, viele, viele.“

Heiderose Hofmann, Foto: DAA
Heiderose Hofmann, Mutter einer Tochter (4), Beruf: Diplom-Werbeberaterin

"Mein Problem war, dass ich keinen Kindergartenplatz bekommen habe und daher keinen Job finden konnte. Ich wollte anfangen zu arbeiten – und es ging nicht. Dann hat mir das Jobcenter OktoFamily vorgeschlagen. Ich war total überrascht. Unten im Haus gibt es die Einrichtung ´DAA Kids´. Die Betreuer dort sind super. Für mein Kind war das eine Eingewöhnung für den eigentlichen Kindergarten. Meine Tochter hat dort dann nur noch drei Tage gebraucht – zack, war sie drin. Da hieß es: ´Mama, du kannst gehen, ich brauche Dich nicht mehr.´

Über OktoFamily zum Kindergartenplatz und zu neuen beruflichen Perspektiven

Ich habe bei OktoFamily sehr viele Kurse wahrgenommen, Microsoft Office-Anwendungen und Englisch. Ich habe mir gesagt: Alle Lücken der vergangenen drei, vier Jahre wieder auffüllen. Es gibt Zertifikate für Kurse, für die man ansonsten verdammt viel bezahlen müsste. Ich hätte nicht gedacht, dass das Jobcenter so ein Angebot wie OktoFamily hat. Es ist wirklich toll - egal, aus welcher Branche man kommt. Wir sind ja hier querbeet, von der Küchenhilfe bis zur Architektin. Die Kursinhalte sind entsprechend breit gefächert."

Das Team von „OktoFamily“ bei der DAA München: (v.l.n.r.) Bettina Untermaier, Kathrin Ahlisch, Heike Kuhfuß, Wolfgang Hildebrandt, Alexandra Schrömer, Michael Gossner, Pia Boidol, Vera Llewellyn-Davies, Hildburg Stephani. Foto: DAA